Wenn Engel mit Überbreite reisen

Westfalen-Blatt, 28.11.2013

Bäckerei-Filiale zieht per Schwertransport von Brakel nach Höxter um – Experten aus Rimbeck dabei.

Dass im Kreis Höxter eine komplette Bäckereifiliale per Schwertransport den Standort wechselt, ist wohl die Ausnahme. Am Montagabend ist aber genau das geschehen: Ein neun Tonnen schwerer »Engel« ist von Brakel nach Höxter auf Reisen gegangen.

Der Kran ist bestellt, der Schwertransporter steht bereit. Die Polizei übernimmt die Streckensicherung, ein Streifenwagen steht mit Blaulicht bereit. Und auch die Genehmigungen seitens der Behörden liegen vor.

Die Vorbereitungen für diesen ungewöhnlichen Umzug sind perfekt gelaufen. Alles ist darauf ausgelegt, dass an diesem Abend die Engel-Filiale vom Lidl-Parkplatz in Brakel nach Höxter in die Pfennigbreite gebracht wird.

Doch dann das: Glatteis! Sollte das Vorhaben in letzter Minute abgesagt werden müssen? Die Experten des Transportunternehmens Hattinger aus Rimbeck geben Entwarnung. »Wir werden fahren!«, lautet ihre Entscheidung.

Eckbert Koch von der gleichnamigen Metallbaufirma in Boffzen, der den Umzug organisiert hat, macht sich weniger Sorgen um die Straßenverhältnisse, als um die Autofahrer, die noch zu später Stunde unterwegs sind. Wie werden sie reagieren, wenn plötzlich ein fünf Meter breiter Koloss vor ihnen steht? Doch für solche Fälle ist ja die Polizeistreife dabei. Sie soll den Verkehr warnen und darum bitten, rechts ranzufahren, damit der Laster mit der enormen Überbreite vorbei kann. Engel-Geschäftsführer Ansgar Krawinkel lässt den verglasten Verkaufscontainer keinen Moment aus den Augen, als dieser per Kran auf den Tieflader gehoben wird. Nachdem die Fracht ordentlich verzurrt ist, startet Kraftfahrer Andy Rehrmann (25) den Motor der großen Zugmaschine. Langsam setzt sich der Transporter in Bewegung.

Von Brakel aus steuert Rehrmann in Begleitung zahlreicher Sicherheitsfahrzeuge die Ortschaft Bosseborn an. »Die Route habe ich mir vorher ganz genau angeschaut. Über Ovenhausen hätten wir nicht fahren können, da stehen immer zu viele Autos am Straßenrand«, erläutert Eckbert Koch. Doch auch in Bosseborn ist Millimeterarbeit gefragt. An den Engstellen im Bereich der Ortsdurchfahrt stehen Schilder im Weg. »Gib mir mal den 19er Schlüssel«, sagt Koch und macht sich an einem Schild zu schaffen, um es zu drehen. Trotzdem ist es verdammt eng. Im Schneckentempo rollt der Laster weiter. Fahrer Andy behält die Nerven. Rundherum sorgen Sicherheitskräfte dafür, dass der Verkaufscontainer nirgendwo aneckt.

Geschafft! Jetzt geht es weiter Richtung Höxter. In Höhe des Galgenstiegs sind auf der Lütmarser Straße zwei Verkehrsinseln im Weg. Links verengt zusätzlich ein Zaun die Durchfahrt. Auch hier müssen die Verkehrsschilder gedreht werden. Der Platz reicht soeben aus, damit der Laster auch dieses Nadelöhr passieren kann. Das letzte Hindernis vor dem Ziel ist die Ampelkreuzung an der Einfahrt zum Gewerbegebiet Pfennigbreite in Höxter. Fahrer Andy Rehrmann holt mit der Zugmaschine weit aus, links und rechts neben den Ampelmasten ist augenscheinlich genug Platz. Plötzlich ein schrappendes Geräusch: Ein kleiner Richtungspfeil stand im Weg. Nichts passiert – keine Schäden. »Mission erfüllt!«, sagt Andy Rehrmann und schmunzelt zufrieden, als er die Engel-Filiale auf dem Parkplatz vor dem Dänischen Bettenlager abstellt.

Anschließend musste nur noch ein Kran kommen, um den Container abzuladen. Am heutigen Donnerstag soll die Filiale bereits eröffnet werden. Dann gibt es Brot und Kuchen in Höxter.

Quelle: Artikel WESTFALEN-BLATT

PDF herunteladen